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Das Interview - 16 Fragen an einen Coach

#In unserer Rubrik "Coach-Profile" stellen wir Ihnen Coaches "aus dem richtigen Leben" vor. Frank Max ist Coach, betreibt eine Berater-Praxis in Düsseldorf und ist Studienleiter für den Lehrgang Psychologische/r Berater/in / Personal Coach der Hamburger Akademie für Fernstudien.

HAF: Herr Max, es gibt Business Coaches, Sales Coaches, Personal Coaches und viele andere "Coach-Etiketten". Was für ein Coach sind Sie?

Frank Max: Obwohl ich durch wechselnde Projekte immer wieder auch als Teamcoach oder in einem bestimmten Fachgebiet spezialisierter Businesscoach auftrete, verstehe ich mich eher als "Life-Coach". Damit umgehe ich den momentan herrschenden Etikettierungswahn (und den leider auch existierenden Etikettenschwindel). Und das ist ja einer der wichtigsten Grundaspekte des Coachings : "Wahlmöglichkeiten schaffen".

HAF: Sie bezeichnen sich auch als "Chancenmanager". Warum - was bedeutet das für Sie?

Frank Max: Chancenmanager ist mein "Brandname". Der Slogan "Chancen schaffen, Chancen nutzen, Zukunft gestalten" beschreibt in komprimierter Form meine Beratungsphilosophie. Jede genutzte Chance ist ein Baustein in die Zukunft. Ich verstehe mich als jemand, der seine Klienten dabei unterstützt, ihre Chancen zu nutzen.

HAF: Welche Beratungsdienstleistungen bieten Sie an?

Frank Max: Am liebsten arbeite ich mit Paaren und Einzelklienten, die ein bestimmtes Ziel erreichen oder ein unbestimmtes Problem loswerden möchten. Auch wenn mir die Gruppenarbeit viel Freude bereitet, so kann ich an den Fortschritten und Erfolgen meiner Einzelklienten doch viel mehr Anteil nehmen und mich mit freuen über ihre Erfolge.

HAF: Seit wann praktizieren Sie?

Frank Max: Wenn Sie mich so fragen: Seit ich sprechen kann . Ich habe immer schon ausgleichende und Rat-gebende Rollen übernommen. Irgendwann wurde dann klar, dass das auch mein Beruf werden könnte. Mit einem Zwischenschritt über Beratungsleistungen in meiner damaligen Branche (Immobilienwirtschaft) und umfangreichen Aus- und Weiterbildungen habe ich mich dann immer mehr vom Experten zum Coach entwickelt. Seit 2003 bin ich mit meinen Coaching- und Trainingsleistungen - zunächst freiberuflich - selbstständig und habe dann Ende 2004 meine Praxis in Düsseldorf eröffnet.

HAF: Welche Ausbildung haben Sie bzw. wie war Ihr Weg zum Coaching? - Und worauf sollte man bei einer Ausbildung zum Coach oder psychologischen Berater achten?

Frank Max: Ich beantworte Ihre Frage in umgekehrter Reihenfolge, wenn Sie erlauben. Letztlich muss wohl jeder Coach seine eigene Philosophie entwickeln. Ich persönlich halte Wertschätzung, Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen für wichtige persönliche Grundlagen, die ein angehender Coach mitbringen sollte. Dann ist eine vielseitige Aus- und Weiterbildung im Coaching oder psychologischer Beratung von Vorteil. Ich persönlich habe zunächst eine individualpsychologische Ausbildung und eine NLP-Ausbildung absolviert und erst anschließend Coaching-Ausbildungen dazu ergänzt. Der übliche Bildungsweg ist aber häufig anders. Am Beginn steht eine solide und vielseitige Grundausbildung im Coaching und anschließend erfolgen Spezialisierungen und Vertiefung in zusätzlichen Weiterbildungen. So habe ich dann einen Schwerpunkt in den Bereich Hypno-Coaching gelegt.

HAF: Arbeiten Sie vorzugsweise nach einem einzigen methodischen Ansatz - oder nutzen Sie mehrere? Was sind Ihre Werkzeuge?

Frank Max: Ich lehne den - wenn auch etablierten - "Werkzeugkasten-Begriff" ein wenig ab. Das hört sich für mich so an, als gäbe es da Einen (Klient), der falsch oder kaputt ist, und Einen (Coach), der diesen durch Auswahl des geeigneten Werkzeugs mit Garantie wieder reparieren kann. Beratung und Veränderung ist ein kooperativer Prozess, in den beide, Coach und Klient, sich einbringen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen: das Anliegen des Klienten. Werkzeuge oder tools sind für mich allenfalls "Arbeitstitel", mit denen bestimmte Vorgehensweisen in einer Beratungssituation bezeichnet werden. Um in diesem Bild zu bleiben: dann mische ich meine Werkzeugkästen aus Individualpsychologie, NLP und Coachingmethoden, je nach der Art des Anliegens, das mein Klient mit mir bearbeiten möchte. Wichtig ist mir dabei, dass er sich bei mir und mit mir wohl fühlt und seine Ziele erreicht, nicht mit Hilfe welches "Vehikels" er diesen Fortschritt erzielt.

HAF: Wie kommen Sie an Ihre Klienten? Betreiben Sie Werbung? Und was halten Sie überhaupt von Werbung in der Berater-Branche?

Frank Max: Die beste Werbung sind zufriedene Klienten und die sich hieraus ergebenden Empfehlungen. Eine Präsenz in den bevorzugten Medien (und hier schlägt z.B. das Internet die gelben Seiten) schadet auch nicht. Am Anfang der Marketingstrategie muss aber die Überlegung stehen: "WAS biete ich welchen Klienten an?" - hierauf aufbauend kann dann eine Werbestrategie entwickelt werden. Eine Nachwuchskollegin, die sich z.B. auf die Beratung von jungen Eltern spezialisiert hat, wird sich hier anders präsentieren müssen als ein Kollege, der eventuell Verhandlungstaktiken im Vertriebsumfeld coachen möchte.

HAF: Was für Klienten kommen zu Ihnen?

Frank Max: Die Bandbreite reicht vom Gymnasiasten, der sich Gedanken über seine Aus- und Weiterbildung macht bis zum "frisch Pensionierten" der jetzt noch einmal richtig Gas geben möchte. Relativ häufig sind "die mittleren Jahre" vertreten, die sich mit den Themen Work-Life-Balance, Karriereentwicklung oder Beziehungsproblematiken beschäftigen.

HAF: Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?

Frank Max: Dass ich tagtäglich mit ganz vielen einzigartigen und liebenswerten Menschen in Kontakt komme und es immer wieder etwas Neues zu entdecken und zu lernen gibt.

HAF: Und worauf könnten Sie in Ihrem Beruf gut und gerne verzichten?

Frank Max: Trends und Diskussionen, die letztlich keinem einzigen Klienten etwas nutzen.

HAF: Kann man vom Coachen oder der Beratung leben?

Frank Max: Es gibt Berater, die sehr gut davon leben. Es gibt Berater, die zum Teil davon leben und durch Dozenten- und Trainertätigkeit das Einkommen aufbessern. Dann gibt es Berater, die leben von etwas anderem und tun so, als sei das Geld in der Beratung verdient worden.

HAF: Wie sehen Sie die Zukunft der Dienstleistungen Coaching und psychologische Beratung? Braucht das Land so viele Coaches?

Frank Max: Das Wissen, das in Coaching-Ausbildungen vermittelt wird, gehört meines Erachtens in die schulische Grundausbildung, so dass jeder Mensch davon profitieren kann. Wenn Sie sich die Hochrechnung der WHO zur Kostenentwicklung im Gesundheitswesen (insbesondere hinsichtlich psychischer Erkrankungen) ansehen, ist sicherlich jeder präventiv wirksame Beitrag sinnvoll. Auch wird nicht jeder, der eine Coachingausbildung absolviert, auch selbständig als Berater. Viele nutzen das Wissen in ihren bisherigen Berufen und Aufgabenstellungen. Diejenigen, die sich selbständig machen und Ihre Berufung ernst nehmen, werden auch nicht unter einer "Beraterschwemme" leiden müssen. Hier gilt das Gleiche wie in allen anderen Branchen: Qualität setzt sich durch.

HAF: Kann eigentlich jeder coachen? Welche Voraussetzungen braucht man Ihrer Meinung nach, um ein guter Coach oder Berater zu sein?

Frank Max: Wir alle coachen dann und wann. Der eine oder andere von uns lernt dann irgendwann, dies auch absichts- und planvoll zu tun. Die Meinungen über die Anforderungen sind ebenso vielfältig wie die deutsche Verbands- und Vereinslandschaft. Ich finde, ein Mensch ist vor allem dann als Berater geeignet, wenn er in der Lage ist, sich selbst weniger wichtig zu nehmen als den Klienten und sein Anliegen.

HAF: Was zeichnet einen guten Coach aus?

Frank Max: Ein guter Coach hilft seinem Klienten, sein Anliegen zu klären und zwar so, dass der Klient dieses selber lösen kann. Ein sehr guter Coach lässt seinen Klienten los, sobald dieser sein Leben selbst in den Griff bekommen hat. Er freut sich über die Erfolge seiner Klienten. Und er sorgt dafür, dass seine Klienten so schnell wie möglich auf ihn verzichten können.

HAF: Welche Fehler haben Sie gemacht, die Sie anderen auf Ihrem Weg zum Coach oder psychologischen Berater gern ersparen würden?

Frank Max: Menschliches Lernen impliziert das Lernen aus Fehlern. Ich kann also nur empfehlen, so früh wie möglich so viele Fehler wie möglich einmal zu machen und aus diesen zu lernen. Die leider tief verwurzelte Angst vor Fehlern ist einer der schwerwiegendsten Hemmschuhe, die uns heutzutage belasten. Ich rate jungen Kollegen und solchen, die es werden möchten, sich und ihre Absichten regelmäßig auf den Prüfstein zu legen, damit sicher gestellt ist, dass diese im besten Interesse für ihre Klienten handeln. Das kann z.B. durch Selbstreflexion oder durch die Inanspruchnahme von Supervision und gezielte Weiterbildung erfolgen. Und solange die vorerwähnte ethische Grundregel erfüllt ist, werden die Fehler schon nicht so arg sein. Im Gegenteil, ich würde den Interessenten, die unter allen Umständen immer alles richtig und erfolgreich machen müssen, sogar von einer beraterischen Tätigkeit abraten wollen.

HAF: Was würden Sie zukünftigen Coaches oder Beratern gern mit auf den Weg geben?

Frank Max: Meine besten Wünsche und die Bitte, über allen Coachingtechniken nicht zu vergessen, dass uns gegenüber ein Mensch sitzt, der uns vertraut und Hilfe sucht.

HAF: Herr Max, wir bedanken uns für das Gespräch.

Das Interview führte Doris Würfel für die Hamburger Akademie für Fernstudien am 17.09.2007. Mehr über Frank Max erfahren Sie auf seiner Website www.chancenmanager.de

 

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